Kunst und noch mehr Kunst

Die Ausstellung “Sofa-Stoff” bildet den Auftakt zu “Kunst und noch mehr Kunst”, einer neuen Programmschiene der Kunststiftung Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch. Künftig wird einmal im Jahr in den Räumen der Stiftung am Detmeroder Markt 11 in Wolfsburg für wenige Tage bis mehrere Wochen eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst gezeigt werden. Ausgewählt werden jeweils solche Positionen, die das Vermögen haben, einen neuen Blick auf die Werke der Sammlung der Kunststiftung zu eröffnen. Die künstlerische Auseinandersetzung kann einzelnen Werken der Sammlung, im Stiftungsbesitz vertretenen Künstlerinnen oder Künstlern aber auch wiederkehrenden Themen, Motiven oder künstlerischen Techniken gelten. Ein weiteres verbindendes Element der ausgewählten Positionen ist ihre Verankerung im Feld der künstlerischen Forschung.

20.11.2022: Charlotte Perriand auf der Corbusier-Liege. Die Neue Frau als Bildzeichen und die Designerin als Protagonistin moderner Wohngestaltung

So 20.11.2022, 14 – 16 Uhr

Buchcover
Christiane Keim, Bild privat

Vortragende: Christiane Keim (Bremen/Berlin)

Titel: Der Mensch und die Schöpfung

Die Chaiselongue, die unter der Bezeichnung Corbusier-Liege bekannt geworden ist, gehört zu den Klassikern des Möbeldesigns im 20. Jahrhundert. Auf zur Entstehungszeit 1929 verbreiteten Fotografien wird die Liege mit einer jungen Frau gezeigt.  Bei der Liegenden handelt es sich nicht um eine anonyme Darstellerin, sondern um die Designerin Charlotte Perriand, die das Möbel in Kooperation mit Corbusier entworfen hatte. Ausgehend von der fotografischen Inszenierung und auf das Beispiel von Perriand bezogen geht der Vortrag der Ambivalenz zwischen der auch in den 1920er Jahren weiter wirksamen Bildtradition der liegenden Frau auf der einen und dem professionellen Beitrag von Frauen zur modernen Wohngestaltung auf der anderen Seite nach.

Christiane Keim ist Kunstwissenschaftlerin und war bis Sommer 2021 Lektorin am Institut für Kunstwissenschaft – Filmwissenschaft- Kunstpädagogik der Uni Bremen. Derzeit ist sie assoziierte Wissenschaftlerin am Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender in Bremen. Dort hat sie gemeinsam mit Astrid Silvia Schönhagen und Silke Förschler das Forschungsprojekt c/o Habitat Tier ins Leben gerufen, das in verschiedenen Formaten (Tagungen, Vortragsreihe, Ausstellungen) zum Forschungsgebiet arbeitet. Neben dem Verhältnis von Mensch und Tier im Wohnen ist Architektur und Design der 1920er Jahre (Neues Bauen) ihr Forschungsschwerpunkt.

24.10-24.11.2022: Ausstellung “Sofa-Stoff” von Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf

DI bis Fr, 14 – 18 Uhr

Das Ausstellungsprojekt “Sofa-Stoff” des Wiener Künstlerinnenduos Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf beschäftigt sich mit Darstellungskonventionen des Wohnens. Zu Wohnen bedeutet immer auch, sich zur Schau zu stellen. Bei der Durchsicht historischer Malerei und Grafik fällt auf, dass Mußestunden auf bequemen Polstermöbeln fast ausschließlich weibliche Figuren genießen. Dies gilt insbesondere für die Zeit der Klassischen Moderne. Die beiden Künstlerinnen arbeiten mit den Motiven „Frau“, „Sofa“ und „Textil“. Dabei eignen sie sich die historischen Darstellungskonventionen an und formulieren sie um, indem sie sie vervielfältigen und verunklären. Ihre Arbeiten verweisen nicht nur auf die tradierten geschlechtlichen Prägungen von Räumen, sondern sie eröffnen auch neue, zeitgemäße Zugänge zu Werken der Klassischen Moderne, wie sie sich auch in der Sammlung der Kunststiftung Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch finden. 

Die installative Ausstellung ermöglicht es aber nicht nur einen neuen Blick auf Werke der Klassischen Moderne zu werfen und sich ihrer geschlechtlichen Strukturiertheit bewusst zu werden, sondern sie fordert uns auch dazu heraus, Bezüge zu unseren aktuellen Wohnerfahrungen herzustellen. In der Zeit der Coronapandemie veränderte sich durch Ausgangssperren, Homeoffice sowie Kurzarbeit die Bedeutung und die Nutzung von Wohnraum und in Mehrpersonenhaushalten mussten die Zuordnungen von Räumen zu Haushaltsmitgliedern neu ausgehandelt werden.

Wiener Künstlerinnenduos Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf

24. Oktober bis 24. November

Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf 

Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf arbeiten seit 2015 gemeinsam an künstlerischen Projekten, die das Verhältnis zwischen Raum und Geschlecht* fokussieren. Sie leben und arbeiten in Wien. Gemeinsam wie auch einzeln haben die beiden Künstlerinnen an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen, hatten einige Reihe von Einzelausstellungen und haben verschiedene Stipendien zugesprochen bekommen. Ankäufe öffentlicher Stellen: Kulturamt der Stadt Wien, Wien Museum, Bundesministerium für Kunst und Kultur, Albertina Wien, Land Vorarlberg, Wiener Handelskammer, Bank Austria, Raiffeisen Landesbank Niederösterreich. Weitere Infos: https://hagyo-maiergamauf.org/.

Romana Hagyo hat Malerei an der Hochschule für Angewandte Kunst Wien sowie Medienkultur- und Kunsttheorien an der Kunstuniversität Linz studiert. 2015 – 2018 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kollegiatin am Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst (Paris Lodron Universität Mozarteum). 2019 Promotion im Doktoratsstudium „Wissenschaft und Kunst“ der Universität Mozarteum Salzburg. Monographie „Über das Wohnen im Bilde sein.“ In künstlerischer Zusammenarbeit mit Silke Maier-Gamauf, Wien, 2020.

Silke Maier-Gamauf hat zwischen 1992 und 1997 an der Akademie der bildenden Künste, Wien, und 1997 am Central St. Martins College of Art and Design, London, studiert. 2008 hat sie den Verein „Institut TEXTUR“ gegründet. Seit 2009 ist sie Mitglied des Netzwerks Emergence of Projects (www.eop.at). Längere Auslandsaufenthalte in Indien, Tibet, USA (Chicago und New York). Sie arbeitet medienübergreifend (Fotografie, Malerei, Tonaufnahmen und Video) und ist kuratorisch tätig.


Ausstellungseröffnung mit Künstlerinnengespräch: Sonntag, 23. Oktober 2022, 16:00 – 18:00 Uhr

Laufzeit der Ausstellung: 24. Oktober bis 24. November

Ort: Detmeroder Markt 11, 38444 Wolfsburg 

Öffnungszeiten: DI bis Fr von 14 bis 18 Uhr


Begleitprogramm

Gastvortrag Dr. Christiane Keim, Berlin/Bremen, Charlotte Perriand auf der Corbusier-Liege. Die Neue Frau als Bildzeichen und die Designerin als Protagonistin moderner Wohngestaltung, 20.11.22 14:00 Uhr


Kreativprojekt in Kooperation mit der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule Wolfsburg (HNG) Wolfsburg. Die Arbeitsergebnisse werden in den Schaufenstern der Kunststiftung Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch ausgestellt.


Wir danken dem Lüneburgischen Landschaftsverband und der Stadt Wolfsburg für ihre Unterstützung.